“Subject to Change”
Wir haben Interviews mit den folgenden Personen geführt: Prof. Dr. Gunter Dueck, Ossi Urchs, Mercedes Bunz, Jürgen Amberger und Ria Baumann von der Wirtschafsförderung, Dunja Burghardt und Michael Hübl.
Interview mit Prof. Dr. Gunter Dueck
Am 2. Februar 2012 findet die zweite TEDxRheinMain in Offenbach im Capitol statt. Gunter Dueck ist zum zweiten Mail dabei. Anlass genug, um mit Gunter ein kurzes Gespräch zu führen:
TEDxRheinMain:
Hallo Gunter, kannst du dich selbst bitte kurz vorstellen. Was beschäftigt dich, was treibt dich an?
Gunter Dueck:
Bin Gunter Dueck, Jahrgang 1951, verheiratet, zwei jetzt promovierende Kinder, war in einem früheren Leben Mathe-Professor, dann bei IBM Wissenschaftler, Gründer neuer Geschäftsgebiete, Manager und zum Schluss bis zur Pension mit 60 der CTO (Chief Technology Officer). Beruflich nur nebenbei, aber persönlich hauptsächlich bin ich Dichter, Philosoph und irgendwie so etwas wie Weltverbesserer (ich versuche es). Mein Lebensthema ist vielleicht „Der Mensch in artgerechter Haltung“. Dafür kämpfe ich – weil es die noch nicht wirklich gibt.
TEDxRheinMain:
Du propagierst den Niedergang der Dienstleistungsgesellschaft und forderst eine Exzellenzgesellschaft. Warum und was bedeutet der Wandel für die Gesellschaft als auch für den Einzelnen?
Gunter Dueck:
Hilfe! Ich propagiere es nicht, sondern es geschieht! Deshalb sehe ich nur „Last exit excellence“. Denk dich einmal siebzig Jahre zurück, als noch die Hälfte der Deutschen in der Landwirtschaft arbeitete und als prophezeit wurde, dass bald alle andere Jobs haben würden, weil Trecker und Mähdrescher kämen. Hilft in einer solchen Lage Ungläubigkeit oder Ignoranz? Vor dreißig Jahren wurde prophezeit, dass Computer die Arbeitswelt verändern würden. Nun kommt es so! Und immer noch denken alle, es geht irgendwie an ihnen persönlich vorüber. Wer das zu lange tut, findet sich irgendwann immer näher an Niedriglohnjobs wieder.
TEDxRheinMain:
Sind wir auf einem guten Weg zum Hochbildungsland oder scheitern wir? Oder anders gefragt, hast du bereits einen Partei-Gründungsvertrag aufgesetzt?
Gunter Dueck:
Es geht gar nicht um Bildung, sondern um Exzellenz und Professionalität – überall wird geklagt, dass uns „Softskills“ fehlen, also nur das Fachkönnen als „Bildung“ eingetrichtert und zu wenig Persönlichkeitsentwicklung betrieben wird. Die fehlt insbesondere bei den „Benachteiligten“. Ich habe einmal laut in einem Buch nachgedacht, eine Partei zu gründen, ja…ich sehe aber noch zu wenig Resonanz. Meine Forderung wird gar nicht so positiv als Empowerment für alle bejubelt (das könnte man so sehen), sondern als zu harte und fast elitäre Anmaßung empfunden. Ich suche noch nach einem besseren Resonanzpunkt in der breiten Gesellschaft. Ich würde ja auch bei den Piraten mitmachen, wenn die nicht nur Fundi wären, sondern auch Realos zuließen.
TEDxRheinMain:
Mit der Vermittlung von Wissen allein ist es aber auch nicht getan. Du forderst gleichzeitig mehr Professionalität. Worauf kommt es denn nun an: Intelligenz, Wissen, Professionalität? Was verlangt die Arbeitswelt von morgen von uns? Wie können sich junge Arbeitnehmer darauf vorbereiten?
Gunter Dueck:
Man muss einfach die eigene Arbeit danach beurteilen lernen, ob sie aus den Augen der der anderen, also der Kunden, Eltern oder Lehrer ganz normal gute Arbeit ist. Soll man nett sein? Ja. Teamtauglich? Ja. Muss man sich gut ausdrücken? Ja. Ist es okay, in der Uni Übungsscheine mit Minimalpunktzahl zu erwerben („fast keine Ahnung“)? Nein. Ich empfehle, die Restaurantrettungsversuche der Kochprofis oder ähnliche Sendungen im TV anzuschauen. Dort kann man innig gelebte Unprofessionalität bemitleiden und dann daraus für sich selbst lernen. Immer fragen: „Bin ich professionell?“ Das würde schon richtig helfen.
TEDxRheinMain:
Die TEDxRheinMain steht unter dem Motto „Subject to Change“. Was ist dein persönlicher „Change“?
Gunter Dueck:
Ich wandle mich gar nicht so sehr, ich habe nur ein vielfältiges und buntes Leben und nehme das jeweils Neue positiv auf. Das sieht von außen wie Wandel aus! Ich bin zum Beispiel letzte Woche auf einer Shortlist eines Awards für „the most influential social media person“ gewesen – ein Witz! Ich alter Mensch bin einer der ersten im Life 2.0! Aber eigentlich, trotz allem Trubel, versuche ich nach Platon zu leben: „Widme dein Leben der Annäherung an die Idee des Guten.“ Ganz unveränderbar fest. Das Gute ändert sich vielleicht, aber das Prinzip nicht.
TEDxRheinMain:
Herzlichen Dank Gunter! Wir freuen uns auf deinen Vortrag.
Prof. Dr. Gunter Dueck - Komfortzone Zukunft oder Wider die Gewöhnung
Interview mit Ossi Urchs
Am 2. Februar 2012 findet die TEDxRheinMain in Offenbach im Capitol statt. Moderiert wird die zweite TEDxRheinMain wie im Jahr 2011 von Ossi Urchs. Wir haben mit ihm ein kurzes Gespräch geführt:
TEDxRheinMain:
Hallo Ossi, könntest du dich selbst bitte kurz vorstellen. Was beschäftigt dich, was treibt dich an?
Ossi Urchs:
Beruflich beschäftige ich mich seit 18 Jahren mit dem Internet, sowie der Medienentwicklung insgesamt. Außerdem hat mich meine „erlernte“ Profession des Philosophen immer beschäftigt, nicht zuletzt Dank einer ebenfalls seit vielen Jahren andauernden Auseinandersetzung mit der indischen Tradition und Kultur. Beides hat mein Welt- und Selbstbild nachhaltig und grundlegend verändert.
TEDxRheinMain:
Du beschäftigst dich schon lange mit dem Internet, seit Ende der 80er-Jahre. Richtig? Wen du einen Blick zurückwirfst, wie aufregend war das damals alles mit dem Interdings?
Ossi Urchs:
Zunächst war das Aufregendste am Internet der „Rückkanal“, der allen vorhergehenden Massenmedien fehlte. Als ich anfing darüber zu sprechen und zu schreiben, wussten viele Menschen hier zu Lande nicht einmal, wovon da eigentlich die Rede war. Ich dagegen war überzeugt, dass dieses globale, auf dem Austausch beruhende Netzwerk unsere ganze Art zu leben und zu arbeiten, zu lernen und zu kommunizieren fundamental verändern würde. Das dann auch wirklich mit zu erleben, und vielleicht sogar ein wenig mit zu gestalten, war eine der aufregendsten Erfahrungen meines Lebens.
TEDxRheinMain:
Die Visionen von damals sind längst Realität oder wurden die kühnsten Erwartungen übertroffen?
Ossi Urchs:
Nun ja, Visionen kommen und gehen. Aber die eben erwähnte Vision, die unser aller Leben bis heute umgestaltet, die hat sogar meine, durchaus kühnen Erwartungen, noch übertroffen.
TEDxRheinMain:
Man nennt dich auch „Internetguru“ oder „Priester der Zukunft“. Was ist denn der Change, der in naher Zukunft im oder um das Internet auf uns zukommt?
Ossi Urchs:
Gegen den Begriff „Internet-Guru“ habe ich eigentlich nichts, denn „Guru“ bedeutet auf Sanskrit soviel wie „Lehrer“. Wenn ich also den Menschen etwas beibringen kann, im Umgang und in der Gestaltung ihrer Internet-Nutzung, dann tue ich das gern. Ein „Priester“ hingegen verbreitet Glaubenssysteme, und das ist nun gar nicht meine Sache, oder gar mein Ziel. Mir geht es um Wissen und Erfahrung, und darum wie wir mit beidem all die Herausforderungen, die das Internet an uns persönlich und als Gesellschaft stellt, meistern können.
TEDxRheinMain:
Die TEDxRheinMain steht unter dem Motto „Subject to Change“. Was ist dein persönlicher „Change“?
Ossi Urchs:
Dieser Begriff gefällt mir vor allem wegen seiner im Englischen bestehenden Doppeldeutigkeit. Er besagt ja, dass jemand oder etwas verändert wird und dass dieser jemand eben auch das Subjekt, also der Handelnde in diesem Veränderungsprozess ist. Unser europäisches Denken in der Trennung von Subjekt und Objekt einer Handlung wird so gründlich in Frage gestellt. Das gefällt mir. Ich habe in meinem Leben viele Veränderungen erfahren, persönliche, gesellschaftliche, technische, um nur ein paar Bereiche zu nennen. Die wichtigste Erfahrung war für mich dabei, dass wir selbst etwas verändern und bewirken können.
TEDxRheinMain:
Ossi, vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns, dich im Februar wiederzusehen!
Interview mit Dr. Mercedes Bunz
Die zweite TEDxRheinMain findet am 2. Februar 2012 in Offenbach im Capitol statt. Dr. Mercedes Bunz ist eine der interessanten Speaker der Veranstaltung. Wir haben die Chance genutzt und ein kurzes Gespräch mit ihr im Vorfeld geführt:
TEDxRheinMain:
Hallo Mercedes, könntest du dich selbst bitte kurz vorstellen. Was beschäftigt dich, was treibt dich an?
Mercedes Bunz:
Was mich antreibt? Jetzt muss ich lachen. Die Frage klingt ein wenig, als wäre ich ein Auto und man hätte meinen Namen wörtlich genommen. Gut, wenn man es so sieht: Die dampfende Tasse Tee mit Milch am Morgen.
TEDxRheinMain:
Was bedeutet Internet of Things?
Mercedes Bunz:
Das Internet der Dinge ist so etwas wie das nächste große Ding in der Internetzeitrechnung – das Internet verändert sich ja ständig und unsere Welt sich mit ihm. Was das genau ist, kann man vielleicht so erklären: Wir alle kennen das Netzwerk, das an Computer oder Smartphones gebunden ist. Bald verlassen wir das aber und gelangen in die zweite Phase des Internet. Augenblicklich werden nämlich mehr und mehr Geräte, und Dank immer billigerer Chips, die so groß sind wie Abziehbildchen (RFID), schließlich auch Dinge mit dem Internet verbunden sein.
TEDxRheinMain:
Wenn alles reale und die virtuelle Welt miteinander verknüpft werden, welche Vorteile haben wir davon?
Mercedes Bunz:
Vorteile, Gefahren, nun. Es stimmt, meistens redet man so über das Internet der Dinge. Unternehmensberater wie McKinsey sind schon ganz aufgeregt, Sie wissen, dass die aufwendige Logistik von Gütern mit dem Internet der Dinge noch glatter und effizienter wird. Zumindest in Deutschland kann man sich sicher sein, dass die meisten Menschen den gläsernen Konsum mit kritischen Augen betrachten. Mir geht es in Bezug auf das Internet der Dinge jedoch um mehr als nur um Vorteile.
Da ist folgende Frage: Welche neuen Möglichkeiten eröffnet das Internet der Dinge unserer Gesellschaft? An zwei, drei Beispielen kann man schon jetzt sehen, dass sich nicht nur die Logistik von Angebot und Nachfrage verbessert, sondern dass das Internet der Dinge auch neue Möglichkeiten birgt, Gesellschaft zu gestalten.
TEDxRheinMain:
Wie kann oder wird es die Gesellschaft verändern?
Mercedes Bunz:
Genau, das Potential ist nämlich ungeheuerlich. Um ein komplexes Unterfangen auf die Beine zu stellen, brauchte es bislang immer eine große Organisation. Doch nicht mehr lange. Man kann sich die Umwälzung, die hier auf uns zukommt, vielleicht so ähnlich vorstellen, wie im Verlagsbereich.
Dort haben soziale Medien und Blogs unsere Öffentlichkeit entscheidend verändert, einige von ihnen haben sogar soviel Einfluss oder Reichweite entwickeln können, wie große Verlagshäuser. Dank des Internet der Dinge können wir bald nicht mehr nur einfacher Menschen erreichen, sondern auch Räume, Geräte, menschliche Fähigkeiten und Bedürfnisse viel direkter miteinander verbinden. Vom Lernen bis zum Gesundheitssystem, vom Transportsystem bis zum menschlichen Miteinander ist das Revolutionär. In meinem Vortrag werde ich einige Projekte vorstellen, die diese Möglichkeit bereits für sich nutzen. Sie nehmen quasi die technische Veränderung, die bald auf uns zukommt, vorweg.
TEDxRheinMain:
Die TEDxRheinMain steht unter dem Motto „Subject to Change“. Was ist dein persönlicher „Change“?
Mercedes Bunz:
Etwas sehr absurdes: Nämlich, dass sich "Change" oder zu Deutsch, der "Wandel" selbst verändert hat. Wandel war in der Vergangenheit etwas, das man wollte. Die Dinge waren gesellschaftlich festgefahren und normativ. Jeder, der sich nicht mit dem Bestehenden einfach zufrieden gab, wollte also Wandel. Oder wie die Amerikaner sagten: change is good.
Das ist heute, da sich alles wandelt nicht mehr so. Heute möchte man oft schützend die Hand über die Welt halten und Teile vor dem Wandel bewahren. Deswegen mag ich auch den Titel der TED-Veranstaltung: "subject to change". Wandel kann man ja auch steuern und gestalten, und der Titel drückt mit "subject to" eben das für mich aus.
TEDxRheinMain:
Mercedes, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns, dich im Februar zu sehen!
Mercedes Bunz - How algorithms change our society
Interview mit Jürgen Amberger und Ria Baumann von der Wirtschafsförderung
Die TEDxRheinMain findet nach 2011 auch 2012 wieder in Offenbach statt. Da die Stadt selbst einen Wandel erlebt hat, haben wir das Gespräch mit Jürgen Amberger und Ria Baumann von der Wirtschafsförderung gesucht.
TEDxRheinMain:
Hallo Jürgen, das Motto der zweiten TEDx@RheinMain lautet Subject to Change. Die Stadt Offenbach selbst hat einen Wandel erlebt, von der Industriestadt hin zum Dienstleistungszentrum. Wie schwierig ist solch ein Wandel für eine Stadt?
Jürgen Amberger:
Der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsstadt ist für jede Stadt eine Herausforderung. Offenbach hat es zwar geschafft, eine Stadt zukunftsorientierter Dienstleistungen zu werden, trägt aber noch immer die Folgen des Wandels. Geringer qualifizierte Menschen sind in Offenbach genauso anzutreffen wie die hochqualifizierten Mitarbeiter der Kreativwirtschaft. Daraus entsteht eine reizvolle Kombination, die die Stadt Offenbach gerade in ihrer Vielfalt und in ihren Brüchen besonders interessant macht. Gleichzeitig ist dies natürlich eine enorme Herausforderung. Der Wandel muss die Bevölkerung auch mental mitnehmen und dieser, aber auch den neuen Firmen, eine Zukunft bieten.
TEDxRheinMain:
Noch heute finden sich alte Industriebauten im Stadtbild, beispielsweise die Heyne-Fabrik. Wie geht die Stadt hier mit dem Wandel um?
Jürgen Amberger:
Die Industriebauten sind längst gesuchter Arbeits- und Lebensort für die Kreativwirtschaft geworden. Sie bieten die Möglichkeit hier ungewöhnliche, spannende und anregende Arbeits- und Lebenssituationen zu realisieren. Die alten Industriebauten sind daher eine hervorragende Grundlage des Wandels. Die Aufgabe der Stadt liegt dabei darin, junge, kreative Firmen bei der Nutzung dieser Industrieareale zu unterstützen und flexible Nutzungen mit einer zielorientierten Anwendung des Bau- und Planungsrechts zu sichern.
TEDxRheinMain:
Durch die in Offenbach beheimatete Hochschule für Gestaltung gibt es eine hohe Clusterbildung im Design- und Kreativbereich. Wie nutzt die Stadt diese Kreativität, diesen Ideenreichtum für sich?
Ria Baumann:
Die HfG ist eine der Grundlagen der Entwicklung der Kreativwirtschaft in Offenbach. Dabei sind es an erster Stelle die Studenten und die Absolventen der Hochschule, die die Entwicklung der Stadt mit prägen.
Daher ist die Stadt Offenbach stark darauf ausgerichtet, die Studenten frühzeitig an die Stadt zu binden, um diese nach Abschluss des Studiums in der Stadt zu halten. Die Konzepte dazu sind vielschichtig und reichen von Studentenwohnungen über interessante Locations bis hin zur Vermittlung von Wohn- und Arbeitsräumen, der Organisation von Events zur Vernetzung der Kreativwirtschaft und der Vermittlung von Fördergeldern.
TEDxRheinMain:
Wie fördern Sie Ideenreichtum, Kreativität und neue Denkansätze?
Ria Baumann:
In diesen Feldern geht es hauptsächlich darum Rahmenbedingungen zu schaffen und neue Konzepte zu zulassen. Alle unsere Veranstaltungen sind darauf ausgelegt, junge kreative Köpfe zusammen zu bringen und dadurch den Austausch von Ideen sowie deren Umsetzung zu unterstützen. Dabei haben wir in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass Ideenreichtum nicht nur durch Diskussion und Austausch gefördert wird, sondern dass wir durch unsere Veranstaltungen auch einen Rahmen bieten andere Kreative besser kennen zu lernen, Kooperationen einzugehen und gemeinsam mit anderen die Ideen zu verwirklichen.
Das ist unserer Erfahrung nach auch die wichtigste Unterstützungsmöglichkeit einer Stadt. Wir können mit dazu beitragen, dass Partnerschaften entstehen, Ideen umgesetzt und Erfolge sichtbar gemacht werden. Durch die Sichtbarkeit gelungener Umsetzungen entsteht dann wieder ein Klima, das neue Ideen und Kreativität fördert.
TEDxRheinMain:
Welche Idee haben Sie bzw. hat die Stadt Offenbach von sich in (naher) Zukunft?
Jürgen Amberger:
In der nächsten Zukunft werden wir daran arbeiten, die Kreativwirtschaft Offenbachs weiter zu festigen und lokal und regional aber auch darüber hinaus sichtbarer zu machen. Wir müssen dazu mehr Orte kreativen Austausches und kreativen Arbeitens schaffen. In diesem Zusammenhang ist unser Kreativ- und Gründercampus Ostpol° ein gutes Beispiel. Er ist Kreativ- und Kulturzentrum gleichermaßen und sehr erfolgreich. Auf Grund des enormen Erfolgs ist er leider völlig ausgebucht, so dass es unser Bestreben ist, eine neue Location als Ort kreativer und kultureller Entfaltung zu entwickeln. Hier sind wir auf einem guten Weg.
Zusammenfassend kann man sagen, dass wir in naher Zukunft daran arbeiten werden, dem Ideenreichtum und der Kreativität in Offenbach einen neuen Ort zu geben und dadurch die Stadt Offenbach als Kreativstadt in der RheinMain Region weiter zu stabilisieren. Darüber hinaus werden wir mit einen neuen Internetauftritt der Kreativwirtschaft Offenbach und mit weiteren Veranstaltungen den Standort für die Kreativen sichtbar und attraktiv machen.
TEDxRheinMain:
Ria, Jürgen, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns wieder in Offenbach zu sein!
Interview mit Dunja Burghardt
Dunja Burghardt spricht auf der TEDxRheinMain über Menschen im Veränderungsprozess. Was aber bedeutet Veränderung überhaupt?
TEDxRheinMain:
Hallo Dunja, kannst du dich selbst bitte kurz vorstellen. Was beschäftigt dich, was treibt dich an?
Dunja Burghardt:
Es bereitet mir große Freude, durch mein Tun und Handeln einen Mehrwert zu generieren und damit wert-schöpfend tätig zu sein. Vernetzung und gemeinsames Wirken treibt mich an.
TEDxRheinMain:
Wir erleben täglich Veränderungen, kleine und große, freiwillig, unfreiwillig, mal gerne und manchmal wollen wir sie überhaupt nicht. Ist Veränderung eine der wenigen Konstanten in unser aller Leben?
Dunja Burghardt:
Eine große Anzahl an Menschen fürchten Veränderungen und wünschen sich stabile Verhältnisse und damit so viele Konstanten wie möglich. Die Veränderung als einzige Konstante in unserem Leben zu sehen, finde ich persönlich eine ganz spannende Betrachtung, wenn nicht sogar befreiend. Sie führt mich zu dem Zitat von Platon „Ich weiß, das ich nicht weiß.“ Nicht weiß, wie die Zukunft aussieht, nicht weiß, ob mein derzeitiger Wissensstand auf richtigen Erkenntnissen aufbaut, nicht weiß ob mein Umfeld in dieser Weise bestehen bleibt ... und doch weiß, dass mich dieses bewusste Nichtwissen offen für jegliche Veränderungen macht. Viele Menschen haben gelernt sich an bewährten Methoden festzuhalten. Doch führt das Festhalten zu Stillstand und damit zur Stagnation. Unser Leben ist Veränderung.
TEDxRheinMain:
Gibt es ein Schema nachdem Veränderungen ablaufen bzw. wir mit ihnen umgehen?
Dunja Burghardt:
Schema F gibt es für mich persönlich nicht. Jede Veränderung hat seinen individuellen Rhythmus. Wenn wir offen für die Veränderungen des Lebens sind und jedem Prozess auch eine gewisse Zeit des Wandels zugestehen, ist die Reibung und Anstrengung, die diese Veränderungsphase verursacht, am geringsten.
TEDxRheinMain:
Was bedeuten Veränderungen für das ich, die Persönlichkeit?
Dunja Burghardt:
Wachstum und Entfaltung.
TEDxRheinMain:
Die TEDxRheinMain steht unter dem Motto „Subject to Change“. Was ist dein persönlicher „Change“?
Dunja Burghardt:
Es gibt bei mir nicht den einen „Change“ so dass ich jetzt sagen kann, ich war früher „rot“ und bin jetzt „grün“. Nein, es ist eher eine Lebensgeschichte die fortwährend geschrieben wird und Stand heute vielleicht für den ein oder anderen interessant ist. Veränderung ist ein stetiger und niemals endender Prozess, doch im Großen und Ganzen würde ich behaupten, ich bin und werde BEWUSSTer
TEDxRheinMain:
Herzlichen Dank Dunja! Wir freuen uns auf deinen Vortrag auf der TEDxRheinMain.
Dunja Burghardt - From Outer Change to Inner Change: The Story of Us
Interview mit Michael Hübl
Im Rahmen der zweiten TEDxRheinMain am 2. Februar 2012 spricht Michael Hübl, Erfinder von flinc, über die Mobilität 2.0. Im Vorfeld haben wir die Chance genutzt und ein kurzes Gespräch mit ihm geführt:
TEDxRheinMain:
Hallo Michael, könntest du dich selbst bitte kurz vorstellen. Was beschäftigt dich, was treibt dich an?
Michael Hübl:
Ich habe in Darmstadt Media System Design studiert und mich dabei intensiv mit den Problemen der zukünftigen Mobilität beschäftigt. Tief im Inneren bin ich Informatiker und finde es unglaublich spannend wie wir mit den heutigen Technologien unser Leben besser und einfacher machen können. Direkt nach dem Studium habe ich flinc gegründet und leite dort die Produktentwicklung.
TEDxRheinMain:
Wie kam die Idee zur Revolutionierung der Mobilitätsbranche zustande?
Michael Hübl:
In jedem Auto sind mindestens 3 Plätze frei – das sind verschwendete Ressourcen, die wir besser nutzen können. Die bisherigen Mitfahrzentralen funktionieren nur auf Langstrecken und langfristig geplant. In unserem Alltag sind wir aber fast ausschließlich auf Kurzstrecken und spontan unterwegs. Flinc liefert die Technologie um Mitfahren alltagstauglich zu machen. Unser Ziel ist es, ein Verkehrsmittel aufzubauen, das von der Bevölkerung selbst organisiert wird.
TEDxRheinMain:
Welchen Wandel erfahren Mensch und Umwelt durch die neue Art des Carsharings?
Michael Hübl:
Wir entlasten dadurch natürlich die Umwelt. Viel wichtiger und spannender finde ich aber, wie sich Menschen verändern. Wenn wir mehr miteinander fahren, reden wir mehr miteinander. Mit dem Nachbarn, mit dem Arbeitskollegen, vielleicht sogar mit einer komplett fremden Person. Ich bin der Meinung, dass unsere Gesellschaft mehr miteinander kommunizieren sollte! Mit flinc leisten wir dazu einen kleinen Beitrag.
TEDxRheinMain:
Wo siehst Du flinc in der Zukunft – im weltweiten Einsatz? Wird es Verknüpfungen zu Social Networks geben und wie sehen die Weiterentwicklungen des Mobilitätssystems aus?
Michael Hübl:
Das Internet ist global, also ist flinc es auch. Wir sehen uns als „Enabler“ - um wirklich etwas zu verändern brauchen wir Menschen die mitmachen. Wir haben bereits festgestellt, dass sich auch in anderen Ländern Multiplikatoren für flinc begeistern und unterstützen den Aufbau von lokalen Nutzergruppen so gut wir können.
Unser Ziel ist ein „Trusted Network“ in dem sich Fahrer und Mitfahrer vertrauen und schwarze Schafe aussortiert werden. Deshalb kann sich bei flinc jeder sein eigenes Vertrauensnetzwerk mit seinen Freunden aufbauen. Das forcieren wir u.a. auch durch eine Facebook-Integration.
TEDxRheinMain:
Die TEDxRheinMain steht unter dem Motto „Subject to Change“. Was ist dein persönlicher „Change“?
Michael Hübl:
1,5 Jahre flinc haben mich persönlich sehr verändert. Firmengründung, Teamaufbau, Teamleitung von mittlerweile 14 Personen, Zusammenarbeit mit großen Partnern, Produktlaunch und derzeit über 40.000 Nutzer – das waren alles große Herausforderungen, die mit unserem jungen Team (außer 2 Personen sind wir alle unter 30 Jahre alt) nicht selbstverständlich sind. Umso mehr bin ich begeistert, wie wir all das hinbekommen haben.
An seine Vision zu glauben und damit, trotz vieler Widerstände, Erfolg zu haben - das ist für mich „Change“.
TEDxRheinMain:
Michael, herzlichen Dank für das Gespräch. Schön, dass du im Februar dabei bist!
Michael Hübl – Das Ende des eigenen Autos
